Grundsätze journalistischen Schreibens

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Nur 7 Regeln gilt es für journalistische Texte zu beachten, die meisten gelten auch für eine Presseinformation. Ganze Wälder mussten für die andauernde Wiederholung dieser Regeln in Büchern und Artikeln sterben (NEIN, jetzt schreibt der schon wieder so einen Schmarrn! JOURNALISTISCH hab ich gesagt…. Der CvD).

Also gut, lassen wir diese Schmonzetten weg und nennen erst mal die 7 Grundsätze:

  • Nachrichtenwert
  • Information pur
  • Dreieck – Wichtigstes steht oben
  • Sieben W (Folge 2)
  • 17 Wörter (Folge 2)
  • Haupt- statt Schachtelsatz (Folge 2)
  • Aktiv statt passiv (Folge 2)

Eigentlich doch ganz einfach, einen journalistischen Text zu schreiben, wenn Sie nur diese kleinen Regeln beachten. Doch die eigene Sprachsozialisation steht uns im Wege. Ständig verstoßen wir gegen diese Regeln. Darum prüfe sich (und seine Texte), wer veröffentlicht.

 Nachrichtenwert

NachrichtenWERT ist nicht das, was eine Meldung in die Google News bringt. Sondern dies ist ein Begriff, der den Wert einer Nachricht für Medien beschreibt. Der Wert hängt aber auch immer vom Medium ab: eine neue Schneeglöckchen-Sorte hat halt für ein Magazin wie die Vogue keinen Wert.

Ein wichtiger Bestandteil des Nachrichtenwertes eines Textes ist die Aktualität. Medien (und daher auch die Journalisten, Blogger und Publizisten, die für die Medien arbeiten) wollen ihren Nutzern keine alten Hüte präsentieren, sondern Neues, Aufregendes, NIE dagewesenes.

Eine Meldung „Unser Smartphone ist schon seit einem Jahr erfolgreich“ ist kaum geeignet, auf Medieninteresse zu stoßen – wenn nicht der Satz folgt: „und jetzt kommt unsere neue Generation“. Wobei es auch vorkommen kann, dass aufgrund einer solchen Überschrift bzw. Meldung ein Wirtschaftsjournalist mal über die Lagerbestände recherchiert, ein Technik-Nerd über das veraltete Betriebsystem lästert oder jemand darüber spekuliert, dass ihr Unternehmen den Trend verschlafen hat.

Der zweite wichtige Bestandteil des Nachrichtenwerte ist denn auch Interesse: Je nach Medium passt eine Presseinformation ins Raster, dass Inhalte filtern soll, die für Mediennutzer nützlich sein sollen – oder eben nicht. (Wobei noch viele andere Punkte mit darüber entscheiden, ob Ihre Presseinformation überhaupt wahrgenommen wird, aber darüber an anderer Stelle mehr).

Ein dritter Aspekt des Nachrichtenwerts wird vielleicht noch in der Journalistenschule gelehrt, aber in der Praxis kaum noch beachtet: Eine Meldung muss NACHPRÜFBAR sein, sonst ist sie nix! Eine anonyme Information, die sich nicht durch andere gesicherte Quellen nachprüfen lässt, irgendein Blogeintrag oder eine Twittermeldung sind eben keine journalistischen Texte und Quellen. Wobei die ernsthaften Online-Publizisten über Kurz-URLs und Hashtags entsprechende Hinweise zu der Information bzw. ihre Quelle nennen.

Gehen Sie in sich und überlegen Sie: an welche Medien wende ich mich (das haben Sie schon vor dem Texten festgelegt, sie haben doch eine Kommunikationsstrategie!). Und dann schreiben Sie Ihre Meldung, vielleicht auch zwei oder drei verschiedene für die verschiedenen Medienzielgruppen. Oder schreiben Sie einen Text für die Nachrichtenmedien, drehen Sie einen Film für YouTube und stellen Sie eine tolle Collage für ein Instagram-Foto zusammen.

 Information pur

Diese zentrale Anforderung an journalistische Texte wird immer wieder durchbrochen. Dabei ist es doch einfach: Fakten sind Fakten und Meinungen sind Meinungen. Die Fakten gehören in den Text als Information. (Die Sieben W sind in diesem Zusammenhang sehr nützlich). Meinung gehört nicht in den Text.

Ja, selbstverständlich können Sie in einer Presseinformation auch die Meinung Ihres Unternehmens zur neuen Gesetzesvorlage, dem Wettbewerb oder den Erfolgschancen des neuen Produkts erwähnen. Trennen Sie das aber von der sachlichen, faktenbasierten Information. Dabei hilft Ihnen das Stilmittel des Zitats: „Dieses Gesetz wird vor dem Bundesverfassungsgericht nicht standhalten,“ meinte Hans-Werner Mustermann, Geschäftsführer von. Oder: „Das Produkt Smartphone der Firma von Herrn Mustermann trifft genau die Erwartungen des Marktes“, sagt Marktforscher….. Solche Zitate können Medien direkt umsetzen, Sie können Sie auch in verschieden Formaten als Mediendateien aufbereiten, (Videostatement, Podcast, Fotos etc.). Wenig geeignet sind schwammige Aussagen wie „Auch Analysten…“ oder „wie Kunden meinen“ oder „wie schon ein Bundestagsabgeordneter sagte“. Denken Sie an Nachrichtenwert und die sieben Ws.

In journalistischen Texten ist die Meinung des Autors nicht gefragt. Es heißt hier: Informieren, nicht missionieren. Ob sie eine Partei, einen Wettbewerber, ein Produkt gut finden oder nicht, hat im Text nichts zu suchen. Für Meinungen gibt es seit eh und je den Kommentar. Da steht der Name des Autors drüber oder drunter, nur dort darf es parteilich und persönlich werden. (Und kein Medium will wissen, was der Pressesprecher wirklich denkt. Und wenn doch, sollten Sie sich hüten Ihre Meinung zu sagen!)

Es kann sinnvoll sein, in Presseinformationen auch andere Standpunkte zu erwähnen, ob Sie Ihnen und Ihrem Auftraggeber nun gefallen oder nicht. Erstens findet der Journalist diese anderen Standpunkte sowieso und zweitens können Sie diese anderen Standpunkte dann aus Ihrer Sicht einordnen. Wenn es nicht um reine Fakten geht, sondern um Einschätzungen und Meinungen, stellen Sie diese entsprechend dar. Beispiele: „Die Initiative „Gegen“ hält jedoch an ihrem Widerstand fest, nannte jedoch in der Diskussion keine aussagekräftigen Fakten“ …  „Entgegen der in Leserbriefen geäußerten Vermutungen geht durch die Energiewende nicht das Licht aus“… „Viele Kommentare weisen zu Unrecht auf einen möglichen Interessenskonflikt des CEO hin“…

JEDOCH: Sparsam einsetzen! Länge der Presseinformation beachten! Kein Thema anreißen, was in der Öffentlichkeit noch nicht verbreitet ist!

 Die Dreieck-Regel

Wichtiges steht oben. Das ist ein sehr einfaches und klares Prinzip. Dennoch finden sich ständig Presseinformationen, bei denen nach dem Motto „Bevor ich es vergesse“ eine wichtige Information kurz vor Schluss der vierseitigen Information erwähnt wird. Das ist in jeder Hinsicht falsch.

  • Erstens: Die meisten Journalisten lesen eine Presseinformation nur an und entscheiden dann über die Relevanz für sich. -> wichtige Info verloren
  • Zweitens: die wichtige Info ist in aller Regel entscheidend für den Nachrichtenwert. Steht sie unten, wird die Presseinformation sofort gelöscht.
  • Drittens: Steht die Info hinten, haben Sie entweder keinen Plan, was eigentlich Ihre Botschaft ist. Oder keinen Plan, was Journalisten wollen und brauchen. Oder Sie meinen, diese Info irgendwie verstecken zu können oder zu sollen. Das hat Folgen: Der Journalist streicht Sie als verlässlichen Gesprächspartner und Informationslieferanten, Ihren Presseinformationen droht die Abbestellung…

Also: Die zentrale Information steht a) in der Überschrift und b) am Anfang des eigentlichen Textes. Danach folgen die weiteren Informationen, abgestuft nach ihrer jeweiligen Wichtigkeit – entsprechend Ihrer Einschätzung. Denn Sie schreiben die Presseinformation, den Text, die Nachricht. Aber (Nachrichtenwert, Information pur) diese Reihenfolge muss auf der Hand liegen oder sollte belegt sein (Studien, Marktforschung, Aktualität) oder sich aus sachlichen Gründen ergeben: Vom Anlass (Produkt, Dienstleistung, Veranstaltung) in seiner Gesamtheit immer mehr ins Detail.

Mit diesen drei Regeln berücksichtigen Sie die wichtigsten Merkmale, die einen journalistischen Text ausmachen.

Die im nächsten Teil unseres Beitrags folgenden Regeln helfen Ihnen konkreter, Ihren Text informativ zu gestalten, ordentlich zu gliedern und lesbar zu schreiben.

Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare.


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Bildquellen

Wolfram Schuchardt

Initiator und Herausgeber von www.kompraxis.de. Kommunikator mit umfassender Erfahrung, angegraut und doch jung geblieben. Autor, Berater, Texter, Redakteur, Lektor - ich bin ein Allrounder mit Hang zum "Reinknien" und einem Faible für das einfache Erklären komplexer Sachverhalte.

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